Reisebericht: Görlitz im Mai

Veröffentlicht am 01.08.2011 in Senioren

Ein Bericht von Bernd-Dieter Eberhardt.

Schon lange hatten wir, die Sozial-demokratischen Senioren Hennigsdorf (SdS), uns zu einer Fahrt nach Görlitz entschlossen. Man hörte ja schon viel Gutes über diese Stadt, von der schönen Altstadt an der Lausitzer Neiße, an der Grenze zu Polen. Görlitz blieb im Krieg von Zerstörungen fast völlig verschont. Mit ca. 3500 größtenteils restaurierten Baudenkmälern weist es eines der besterhaltenen historischen Stadtbilder in Deutschland auf. Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt wurde seit 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges, zur eigenständigen polnischen Stadt Zgorzelec. Beide wurden 1998 zusammen zu Europastädten deklariert. Es ist eine Wohltat, wie frei man sich heute in Europa bewegen kann.

Bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir – neun Personen – am Freitag, dem 6. Mai 2011, um 8 Uhr, in Hennigsdorf in die S-Bahn, dann in einen Zug und erreichten kurz nach 12 Uhr Görlitz. Vom Bahnhof wanderten wir in das historische Zentrum. Nach einer Viertelstunde war das Hotel nahe dem Obermarkt erreicht. Nach einem guten Mittagsmahl trafen wir den Fremdenführer zum Rundgang "Historische Altstadt Görlitz". Er brachte uns die schöne Stadt nahe, erklärte die Geschichte und die Gegenwart, berichtete auch von dem geheimnisvollen Spender, der seit 1995 jährlich eine halbe Million Euro zur Verfügung stellt. Eine Auszeichnung hat er dafür auch erhalten, die ist im Rathaus von Görlitz ausgestellt. Der Spender möchte anonym bleiben und hat bekannt gegeben, dass er die Spenden einstellen würde, wenn versucht würde, seine Identität heraus zu bekommen oder das Geld nicht mehr für die Sanierung der Baudenkmäler verwende. Wir sahen viele wunderschöne Bauten.

Schließlich saßen wir unterhalb der auf einer Anhöhe mächtig emporragenden Kirche Sankt Peter und Paul an den Tischen eines Cafes im Freien mit Blick auf die Altstadt-Neißebrücke und Zgorzelec und probierten zwei wunderbare schlesische Spezialitäten: den Mohnkuchen und die Mohnpiele (eine Mischung aus Mohn, Mandeln und Korinthen).

Danach durchquerten wir eigenständig die Stadt. Das Rathaus (meist 14.–17. Jh.) beeindruckt durch einen hohen, schlanken Turm. Er trägt eine Kunstuhr von 1584, die auch mit einem vergoldeten Löwen verbunden ist, der von Zeit zu Zeit ein schreckliches Gebrüll von sich gibt. Einige unserer Freunde erstiegen mit einem Führer den Rathausturm. Sie erfuhren, dass man das Löwengebrüll dort oben auslösen kann und machten sogleich Gebrauch davon. Anschließend wanderten wir zu dem am Stadtrand gelegenen „Heiligen Grab“. Die Heilig-Grab-Kapelle ist eine verkleinerte Kopie des Jerusalemer Originals, aus der Zeit des hohen Mittelalters. Der Görlitzer junge Patrizier Georg Emmerich musste sich zur Sühne auf eine Pilgerfahrt ins Heilige Land begeben: er hatte 1464 die Tochter einer gleichfalls hochrangigen Nachbarsfamilie "im Hause ihres Vaters" geschwängert; seine Familie verweigerte die geforderte Heirat wegen politischer Gegensätze. Epitaphe nennen Emmerich als Auftraggeber der Kapelle. Durch die abendliche Stadt schlenderten wir zum Hotel.

Am Sonnabend, dem 7. Mai, machten wir uns auf den Weg in den Süden der Stadt. An der Neiße liegt die alte Stadthalle im Stil der Kaiserzeit, von 1912. Wir überquerten die südliche Neißebrücke nach Zgorzelec. In einem Park befindet sich die Oberlausitzer Ruhmeshalle, heute Miejski Dom Kultury (= Städtisches Kulturhaus). Die Halle wurde zur Erinnerung an die Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. entworfen und 1902 eingeweiht. Sie enthielt eine Gemäldegalerie sowie eine Sammlung zur Kulturgeschichte der Oberlausitz. Im Mai 1945 wurde sie durch Soldaten beschädigt und beraubt. Heute enthält sie wieder einige Ausstellungsstücke und Informationstafeln und wird für Theater- oder Kinovorstellungen, aber auch als Diskothek genutzt. Weiter gingen wir an der Neiße entlang und gelangten zum Jakob-Böhme-Haus, in dem der Schuhmacher, Mystiker und Philosoph von 1599 - 1610 lebte. Auch Zgorzelec hat schon viele Häuser an der Uferstraße restauriert. Das Postplatzviertel mit der Postmeilensäule soll wieder entstehen, dem historischen Vorbild nachempfunden. Die Dreiradenmühle an der Altstadt-Neißebrücke (heute ein Restaurant) zählt zu den Sehenswürdigkeiten. Wieder über die Brücke und in Görlitz angekommen, geht unser Stadtbummel weiter und endete mit dem Abendessen in einem urigen Lokal.

Am Sonntag, dem 8. Mai, lachte wieder die Sonne vom Himmel. Wir teilten uns in zwei Gruppen: unsere tapferen „Spitzensportler“ erstürmten den Hausberg der Stadt Görlitz, den (hoffentlich) erloschenen Vulkan Landeskrone, 420 m über dem Meeresspiegel. Der größere Rest beschloss, den von der starken Stadtbefestigung aus dem 13. Jh. übrig gebliebenen Reichenbacher Torturm am Obermarkt zu ersteigen. In den einzelnen Etagen befinden sich verschiedene Ausstellungsobjekte, und man hat einen phantastischen Rundblick aus der obersten Etage. Die alte Stadt lag uns „zu Füßen“, ebenso der nahe "Kaisertrutz", ein Rundbau von 1490 mit 19 m Durchmesser, eine frisch restaurierte Stadtbefestigung mit neu ausgestattetem Museum darin. Er schützte damals das Westtor. In der Ferne sahen wir den Kegel der Landeskrone. Zu Mittag wieder vereint, besuchten wir ein wunderbares Orgelkonzert in der Kirche Sankt Peter und Paul. Um 17 Uhr brachen wir zum Bahnhof auf.

Es war eine erlebnisreiche Fahrt, an die wir gern zurückdenken und die uns zu neuen Unternehmungen anspornt. Wir würden uns freuen, wenn wir einige weitere Senioren in unseren Reihen und bei unseren nächsten Unternehmungen begrüßen könnten.

Fotos:

Obermarkt
Obermarkt


Reichenbacher Torturm


Kaisertrutz und Landeskrone

 
 

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